Inhalt - Holztagebuch

Holztagebuch. Wenn wir aufmerksam durch die Wälder Europas streifen und mit einheimischen Fachleuten oder Bauern sprechen, machen wir oft bemerkenswerte Beobachtungen. Manche davon zeichnen wir in unserem Holztagebuch auf, um das Wissen festzuhalten und Zusammenhänge erkennen zu können. Einzelne Einträge möchten wir an dieser Stelle mit Ihnen teilen. 

Blütenbildung bei Bäumen. Im Mai entfaltet sich die Kraft der Natur spürbar und nicht umsonst gehört dieser Monat zu unseren Favoriten. 

10.05.2017

Blütenbildung bei Bäumen. Im Mai entfaltet sich die Kraft der Natur spürbar und nicht umsonst gehört dieser Monat zu unseren Favoriten. 

Oftmals weisen bereits sommerliche Temperaturen den Weg in die von den meisten Menschen bevorzugte Jahreszeit. Unsere Wahrnehmung konzentriert sich häufig auf die Blütephase der Blumen und Sträucher sowie die Obstbäume im Garten. Hingegen entgeht uns oft die Blüte von Waldbäumen. Eine der wenigen Baumarten im Wald, die sich in voller Blüte zeigt, ist der Kirschbaum, welcher häufig an Waldrändern anzutreffen ist. Im Frühjahr sticht er als weisser Kontrast hervor aus einer manchmal noch etwas farblosen Umgebung.
Dem Blühen der übrigen Waldbäume spielt sich unauffälliger ab und meist im Verborgenen, hoch über den Köpfen der Waldbesucher. Ob und in welchem Umfang es zur Blütenbildung bei Bäumen kommt, ist von einer grossen Anzahl von Faktoren abhängig: Das Ausschlagen der Blüten hängt wesentlich von der Temperatur und der Sonneneinstrahlung, bzw. der Dauer der Lichteinwirkung ab. Daraus ergeben sich die Blütenknospenanlage sowie der Blühzeitpunkt.
Eine weitere wesentliche Rolle spielt die Standortsgüte, die vom Wuchsgebiet, der Exposition, der Höhenstufe und natürlich von der Nährstoffversorgung abhängt.

Bei einem Wachstum unter unbelasteten Umweltbedingungen benötigen die Baumarten mehrere Jahre bis die Blütenbildung und damit die Fähigkeit der Fortpflanzung einsetzt. Bäume, die im Freistand aufwachsen, setzen schon früher Blüten an als Bäume im Inneren eines Waldbestandes.
Die Rolle der Temperatur bei der Blütenbildung ist bei mehreren Baumarten nachgewiesen. Wenn im Frühjahr oder Frühsommer des Vorjahres höhere, das heisst überdurchschnittliche Temperaturen auftreten, so ist im Folgejahr eine reichere Blütenbildung zu erwarten. Die für die Blütenreife selbst ausschlaggebende Temperatur ist baumartenspezifisch unterschiedlich: Frühblüher wie Hasel und Erle benötigen weniger Plusgrade als Buche, Eiche, Fichte und Tanne, die erst ab Maibeginn ihre Blühschwelle erreichen.

Die Fortpflanzung ergibt sich durch Bestäubung. Darunter versteht man die Ablagerung von Pollen auf Narben oder Samenanlagen entweder durch Bienen oder durch Einwirkung des Windes. Die Fichte verfügt über und 200 000 Pollen je Blüte, die Kiefer über 160 000, die Eiche über 40 000 und die Buche über 12 000.
Die Ernährung der Bäume spielt für den generativen Prozess eine besondere Rolle. Als Faustregel gilt: Wenn das Vorjahr es zuliess und die Einlagerung von Reservestoffen hoch war, kann im Folgejahr eine Vollmast, also ein voller Fruchtertrag, erreicht werden. Umgekehrt können in lebensbedrohlichen Lagen mit letzten Reserven Blüten gebildet werden, bevor der Baum abstirbt.

Für eine kräftige Blüte benötigt der Baum jedoch genügend Wasser. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Grundtemperatur während der Vollblütezeit. Um eine erfolgreiche Bestäubung der Blüte zu bekommen, speziell bei den Obstbaumarten, benötigen Bienen eine Aussentemperatur von mindestens +9 Grad Celsius.  

10.05.2017

Rundholzlagerung – Holzschutz durch richtigen Zeitpunkt des Holzfällens. Wenn wir den Baum von seiner Wurzel trennen, beginnt für uns Menschen die Verantwortung, seinen Wert sorgsam zu erhalten und ihm – soweit es sich nicht um Brennholz handelt – durch die weitere Nutzung des Holzes ein weiteres Leben zu ermöglichen.

12.12.2016

Rundholzlagerung – Holzschutz durch richtigen Zeitpunkt des Holzfällens. Wenn wir den Baum von seiner Wurzel trennen, beginnt für uns Menschen die Verantwortung, seinen Wert sorgsam zu erhalten und ihm – soweit es sich nicht um Brennholz handelt – durch die weitere Nutzung des Holzes ein weiteres Leben zu ermöglichen.

Der beste Holzschutz liegt in der Wahl des richtigen Zeitpunkts für das Fällen. Dieser liegt eigentlich immer in den kalten Monaten des Jahres Die Zeit von Wintermonat November bis zum 1. Neumond im März ist zu bevorzugen. Um eine ideale Ausgangslage für ruhiges und sich nicht werfendes Holz in der späteren Lagerung zu bekommen, ist zudem die Zeit im abnehmenden Mond klar zu bevorzugen. Dabei handelt es sich dann um das sogenannte Mondholz.

Bleibt nach dem Fällen das Holz noch eine gewisse Zeit rund im Wald liegen, so ist dies eher ein Vorteil als ein Nachteil. Wird beispielsweise beim Fällen erkannt, dass aufgrund des vielen Schnees mit dem Abtransport gewartet werden muss, so ist schon vor dem Fällen festzulegen, dass die Richtung des gefällten Baumes, wenn er dann gefallen ist, nach unten weist. Der Baumwipfel muss also tiefer liegen als die Wurzel. Die Fallrichtung kann also nicht beliebig gewählt werden. Die Fallkerbe muss nach Möglichkeit talseitig des Baumes geschnitten werden, um dann von der Bergseite her den Trennschnitt anzusetzen, den Treibkeil zu schlagen und den Baum in die vorgesehene Fallgasse zu zwingen. Jetzt belässt man einfach die Äste am Stamm und schneidet nur den Dolden weg. Die Schwerkraft unterstützt nun den Abfluss der verbliebenen Holzsäfte. Zusätzlich fliesst das vom Boden aufgenommene Wasser in den Kapillaren ohnehin in dieser Richtung. Erstaunlich ist weiter der jetzt sichtbar werdende Überlebenswille. Der Baum treibt die Restsäfte in die Äste, um dort nach Möglichkeit mittels Frucht und Bodenkontakt wieder auszutreiben – ein erstaunliches Phänomen. Dadurch wird der Stammkörper zusätzlich trocken und die schweren Äste mit dem Wasser bleiben nach dem Abschneiden im Wald zurück. Man nennt diesen natürlichen Vorgang „ausbluten“ oder „ausreifen“.
Wenn man im folgenden Frühjahr dieses Holz aus dem Wald rückt, erzielt man nach dem Aufsägen ein wunderbares Resultat: Die Farbe ist allermeist holzartentypisch ganz satt und ausgeglichen, die Ware bleibt ganz ruhig in der Latte stehen und die reduzierte Ausgangsfeuchte bildet den grossen zeitlichen Vorsprung für die Lufttrocknung ausserhalb des Waldes. Diese Investition zahlt sich zurück. Eichen hat man früher gerne über den ganzen Sommer an schattiger und windgeschützter Lage im Wald als abgeschnittenes Rundholz und mit „Zopf“ nach unten liegen lassen. Die unterschiedlich stark eingelagerte Gerbsäure hat sich dabei in diesem Ruhezustand ausgeglichen und farblich angepasst. Nach dem Schneiden im darauf folgenden Winter wirkte diese Eiche optisch sanfter, homogener und weniger knorrig. Für diesen Prozess wählte man gerne besonders wertvolle Stämme aus. Eine weitere Praxis bei der Rundholzlagerung ist die „Beregnung“. Es gibt heute noch Eichensägewerke, welche sich ihr Rundholz für eine ganze Jahresproduktion im Voraus zopfgesenkt aufs Lager legen. Die ganze Zeit, ausser an starken Regentagen, wird das Holz mittels Wasserbesprengung beregnet. Der Effekt im Holz selber ist – wie bei der Waldlagerung – praktisch derselbe. Der Unterschied ist hier, dass durch das ständig eintretende Wasser von der höher gelegenen Wurzelseite her, das eingelagerte Tannin fast wie „ausgeschwemmt“ wird. Das Resultat im Holz ist für alle weiteren Veredelungsschritte nur vorteilhaft. Viele Firmen können sich heute kaum mehr eine solche Vorfinanzierung leisten, einerseits mit dem obligaten Schnittholzlager und andererseits zusätzlich mit einem grossen Rundholzlager.

12.12.2016

Slawonische Eiche. Die Holzwirtschaft ist ein traditionsreicher Sektor mit langer Tradition.

28.10.2016

Slawonische Eiche. Die Holzwirtschaft ist ein traditionsreicher Sektor mit langer Tradition.

Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde hier geprägt – bereits 1713 durch Hans Carl von Carlowitz mit seiner Schrift Silvicultura oeconomica. Sie ist ein Manifest für den verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen und fordert, dass nie mehr Holz geschlagen werden darf, als jeweils nachwachsen kann.

Am Rohstoff selbst hat sich seitdem nichts verändert – die Vielfalt der Einsatzgebiete hat sich sicher noch erhöht. Die Eigenschaften sind gegeben und müssen so hingenommen werden. Durch geschickten Waldbau kann der Baum allerdings von Anfang an in seinem Wachstum beeinflusst werden und so für die Bedürfnisse „optimiert“ werden. 

Während es heute viele neue, innovative Produkte im Bereich der Holzwerkstoffe gibt, die sich in Normprodukten exakt definieren lassen, ist der Massivholzbereich vom technischen Fortschritt weitestgehend ausgeschlossen. Dafür gibt es auch hier den Bedürfnissen der Verarbeiter angepasste Weiterverarbeitungsmöglichkeiten.

Zu diesen Verarbeitungsschritten zählt als beliebte Massnahme das Dämpfen – vor allem bei Nussbaum, Buche und Ulme, gewinnt aber auch bei Eiche und Esche immer mehr an Beliebtheit. 

Durch den Dämpfprozess, das „Kochen“ des frischen Holzes, erzielt die Eiche ihre Farbe und verliert ausserdem viel von der inhärenten Spannung. Die aus Luft und Sonnenlicht gewonnenen Substanzen, welche als Nährstoff in Form von Glukose im Holz eingelagert wurden, transformieren sich dabei. Der Zucker wird rötlich.

Die Vermengung mit der grünen, im Kern abgelagerten Gerbsäure, dem Tannin, ergibt schlussendlich einen schönen dunkelbraunen Erdton, welcher dem einer vor tausend Jahren verbauten Eiche gleichkommt.

Geschichtlich entstammt der Typus der Slawonischen Eiche der intelligent umgesetzten Reformpolitik aus der Zeit der Österreichisch-Ungarischen K & K Monarchie aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Kaiserin Maria Theresia liess damals die Sumpfgebiete der Pannonischen Tiefebene durch systematische Anpflanzungen trockenlegen. Das Gebiet umfasst das östliches Kroatien (Slawonien), das südliche Ungarn und Teile Rumäniens (Banat). Das in Kroatien noch gültige Forstwirtschaftsgesetz stammt aus der Feder der Kaiserin. Sie baute in den Ausuferungszonen der Flüsse Drava und Save bis in die weitläufige Donauebene grosse Bestände von Eichen und Eschen an. Ihr gelang es dadurch langfristig, die benötigten Landwirtschaftsflächen zu generieren indem sie durch den geschickt angelegten Wald das natürliche Entsumpfen einleitete. 

Die Besonderheit der heute dort vorkommenden Stiel- und Traubeneichen, sowie deren Kreuzung aus dieser Provenienz, sind durch das hohe Grundwasser bedingte, ausgeprägte Flachwurzelansätze sowie eine einheitlichen helle Grundfarbe und gleichmässige Jahresringe. Daher spricht man heute von der weltbekannten 'slawonischen Eiche', welche aus der Not geboren und mit geschickter Planung umgesetzt, heute noch der jetzigen Generation die Existenz sichert.

Diese Eichen, welche dort südlicher liegen als jene in den riesigen Eichenwäldern Mitteleuropas, und daher die Sonneneinstrahlung ausgeprägter erleben, schützen sich durch eine ausgeprägte Krone. So können sie im grossen Waldverbund das benötigte Klima für das Gedeihen der nachkommenden Jungpflanzen sichern. 

28.10.2016

Wildapfel. Seit einigen Wochen sind die Kulturlandschaften aus ihrem Winterschlaf erwacht.

10.04.2016

Wildapfel. Seit einigen Wochen sind die Kulturlandschaften aus ihrem Winterschlaf erwacht.

Das erste Grün ist zu sehen, erste Bäume zeigen ihre Blütenpracht. In der Pflanzenwelt beginnt die Zeit des Wachstums sowie der Fortpflanzung. Die vom Menschen geprägte Kulturlandschaft unterliegt einem ständigen Wandel: Neue Arten – sogenannte Neophyten – erscheinen, zum Beispiel durch Einschleppung oder bewusste Pflanzung. Andere, alte Arten hingegen, die das Bild des sesshaften Menschen über Jahrtausende prägten, verschwinden.

Einer dieser Bäume aus lang vergangenen Kulturen ist der Wildapfel (Malus sylvestris). Die ältesten Funde von Fruchtresten sollen 6000 Jahre alt sein. Auch in mitteleuropäischen pfahl- und bandkeramischen Bauten sowie Gräbern werden immer wieder Funde gemacht. Zusammenhängende Populationen dieser Art gibt es schon lange nicht mehr und der Einfluss von Kreuzungen und eingebürgerten Arten, Kulturäpfeln, machen dem Wildapfel zu schaffen – bis hin zu dessen vollständiger Verdrängung.
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Wildapfels ist Europa bis Vorderasien, wobei die Süd- und Ostgrenze des Verbreitungsgebietes fliessend sind. Als Hauptverbreitungsgebiet gelten die Tieflandgebiete Mitteleuropas. In den Alpen kommt der Wildapfel bis zu einer Höhe von 1100 m NN vor. Er bevorzugt Flussauen und Standorte im Gebiet der Nässegrenze des Waldes. Da diese natürlichen Standorte durch menschliche Eingriffe stark zurückgegangen sind, ist der Wildapfel in seinem Bestand bedroht. Der Wildapfel wächst zerstreut in Auenwäldern, in Hecken und im Gebüsch, auf frischem, nährstoff- und basenreichem, meist tiefgründigem Lehm- und Steinboden und benötigt ein feucht warmes Klima. Grundvoraussetzung einer Verbreitung ist eine hohe Bestandsdichte.
Die Pollentransportdistanz liegt zwischen mindestens 6 m und maximal 10,7 km. Eine Untersuchung durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft in Deutschland ergab, dass die Anzahl benachbarter Wildapfelbäume des Mutterbaumes einen hohen Einfluss auf die Pollentransportdistanz hat. Befanden sich zum Beispiel nur bis zu vier Bäume in einem Radius von 250 m zum Mutterbaum, lag die Pollentransportrate bei durchschnittlich 950 m. Auch war bei dieser Nachkommenschaft die Anzahl von Hybriden am höchsten. Befanden sich dagegen über 20 Wildapfelbäume in einem Radius von 250 m zum Mutterbaum, betrug die durchschnittliche Pollentransportrate nur 30 m und keiner der Sämlinge war von einem Kulturapfel befruchtet worden. Eine Erhöhung der Bestandsdichte führt zu einem höheren Blütenangebot, wodurch die Biene auch in einem kleineren Radius genug Nahrung finden kann. Die Bestäubung zwischen benachbarten Bäumen wird gefördert und die Pollentransportdistanzen werden reduziert. Gleichzeitig sinkt das Risiko einer Hybridisierung mit dem Kulturapfel. In Beständen mit wenigen Einzelexemplaren ist dagegen damit zu rechnen, dass sich vermehrt Hybride in der Naturverjüngung befinden und diese langfristig den ‚echten‘ Wildapfel verdrängen.

Interessant ist aber, dass selbst die Wissenschaft über die Abgrenzung des Wildapfels zu anderen Arten streitet. Die mutmaßliche Stammform des Kulturapfels ist Malus domestica, wobei eine Kreuzung mit verschiedenen Arten möglich erscheint. Neuere gentechnische Untersuchungen weisen dagegen auf eine Abstammung vom Asiatischen Wildapfel (Malus sieversii) hin.
Es erweist sich als sehr schwierig, den Wildapfel von verwilderten Formen der Kulturäpfel zu unterscheiden. Es ist sogar umstritten, ob es den Wildapfel (Malus sylvestris) überhaupt noch gibt, oder ob es sich beim Wildapfel nur um eine mehr oder weniger wildnahe Form des Kulturapfels handelt. Das Interessante in der Natur ist die ermutigende Tatsache, dass zum einen etwas Neues entsteht und zum anderen die Anpassungsgabe der Pflanzenwelt sichtbar wird. Etwas zu verlieren soll uns eine Lehre sein und etwas zu gewinnen ein Geschenk. Das rötlichbraune Kernholz des Wildapfelbaumes, auch Holzapfel genannt, wird vor allem von Kunsthandwerkern und Drechslern geschätzt, aber auch für exklusive Einzelmöbel genutzt. Wegen des geringen Anfalls an brauchbaren Dimensionen kann dieses Holz nicht in einem grösseren Volumen verarbeitet werden.

10.04.2016

Tanninflecken. Wie uneinheitliche Verfärbungen bei Eichenholz entstehen.

30.11.2015

Tanninflecken. Wie uneinheitliche Verfärbungen bei Eichenholz entstehen.

 

Eine der heute europaweit meist genutzten Holzarten ist die Eiche. Sie wächst zwar vielerorts und ist in der Regel gut verfügbar. Und trotzdem gelangt die Produktion von Eichenholz derzeit an Grenzen. In den grossen Sägewerken sind einige Sortimente bereits vergriffen, und der Preis für Eichenschnittholz steigt.

Diese grosse Nachfrage hat nun zur Folge, dass die ausgedehnte Lagerung der gestapelten Bretter an der freien Luft drastisch verkürzt wird, damit das Holz möglichst rasch weiterverarbeitet werden kann. War es früher zudem noch üblich, die im Winter frisch geschlagenen Eichen über den nächsten Sommer lichtgeschützt und möglichst feucht liegen zu lassen, wird heutzutage darauf verzichtet. Dabei würden diese Liegezeiten dazu dienen, die in der Holzfeuchtigkeit gelöste Gerbsäure - das sogenannte Tannin - gleichmässig im ganzen Kernholz zu verteilen. Denn ungleich verteiltes Tannin führt zu unregelmässigen Verfärbungen. Der Sommerregen würde ausserdem überschüssiges Tannin ausschwenken, was die natürlich goldbraune Färbung der Eiche besonders schön zur Geltung bringt.

Auch heftige Wetterwechsel beeinflussen die Säureverteilung. Während wir Menschen uns an die inzwischen gehäuft auftretenden schnellen Wechsel von feucht-nassem zu trockenem und teils auch heissem Wetter gewöhnt haben, leidet das Eichenholz unter den Klimakapriolen. Immer öfter beobachten wir, dass sich auf der Oberfläche von Aussenbrettern verteilt kleine Risse bilden, wenn schon im Februar heftige trockene Winde einsetzen. Entzieht die trockene Luft dem Holz nun rasch Feuchtigkeit, gelangt auch das im Wasser enthaltene Tannin an die Brettoberfläche. Hier bleibt es haften, während das Wasser verdunstet. Die so entstandene Verfärbung der Sichtfläche weist oft eine uneinheitliche Tiefe zwischen 2 und 15 Millimetern auf.

Auf dem frisch gesägten Brett ist die wolkige Verfärbung kaum zu erkennen. Die negativen Folgen werden erst sichtbar, wenn die Bretter gehobelt werden: Die neuen Sichtflächen erscheinen nun gestreift oder gescheckt. Grosse und kleine Farbflecken aus hellen und dunklen Stellen wechseln sich ab. So wirkt das Holz eher unansehnlich.

30.11.2015

Holztrocknung. Risse und Verformungen an Möbeln als Folge unangemessener Trocknung. 

21.08.2015

Holztrocknung. Risse und Verformungen an Möbeln als Folge unangemessener Trocknung. 

 

Wer mit Massivholz arbeitet, beschäftigt sich unweigerlich auch mit dem Thema Holztrocknung. Zwischen dem Werkstoff Holz und dem Raumklima herrscht nämlich eine Wechselbeziehung - das Holz passt seinen Feuchtegehalt der jeweiligen Umgebungstemperatur und -luftfeuchtigkeit an, was Veränderungen in seiner Form zur Folge hat. Kaltes und trockenes Winterklima lässt Holz schwinden, feuchtwarme Sommerhitze hingegen lässt es quellen. So hat auch das Heizen und Lüften einen Einfluss auf das Volumen des Holzes.

Eine Eiche kann in ihren Zellwänden ungefähr 30 Prozent Feuchte speichern. Wird ihr Holz im Innenausbau verwendet, an einem Ort, der vor Witterung geschützt, gut belüftet und im Winter gut beheizt ist, sollte der Feuchtemittelwert allerdings nur 9 Prozent betragen - mit einem Schwankungsbereich von ±3 Prozent. Bei der Trocknung von 30 auf 9 Prozent Feuchte verliert das Eichenholz etwa ein Zehntel seines Volumens. Falls diese Trocknung zu schnell erfolgt, weist das Holz bald Schäden auf: Es kommt zu Verwerfungen, zu Innen- und Flächenrissen.

Zwei Aspekte sind entscheidend, damit Holz langfristig unbeschadet bleibt. Zum einen die für den jeweiligen Verwendungszweck erforderliche Holzfeuchte und zum anderen die Art und Dauer der Trocknung. In unbeheizten Räumen sollte der Feuchtegehalt des Holzes bei einem Mittelwert von 15 Prozent liegen. Bei schwach beheizten Räumen geht man von einem Mittelwert von 12 Prozent aus, gut geheizte Räume erfordern 9 Prozent. In den Alpenländern, besonders über einer Höhe von 700 Meter, gelten allerdings noch tiefere Werte. Denn im Februar bläst ein trockener Wind die Alpen entlang; gleichzeitig ist die Luft in den Wohnungen dort oft zu warm und zu trocken. Diese Umstände haben zu der in der Schweiz weit verbreiteten Ansicht geführt, man müsse Holz immer auf 8 Prozent trocknen.

Damit frisches Holz überhaupt verwendet werden kann, muss ihm Feuchte entzogen werden. Begrenzter Lagerplatz und ein aus Umsatzgründen angestrebter schneller Lagerumschlag sind Gründe, warum Holz oft in Vakuum- oder mit Frischluft-Abluft-Systemen forciert getrocknet wird. Dieser sehr rasche Prozess in extrem trockenem und damit völlig ungewohntem Klima "stresst" das Holz. Hinzu kommt, dass bei einer Trocknung auf eine Holzfeuchte von weniger als 11 Prozent der Diffusionswiderstand exponentiell steigt: Dem Holz wird die Feuchtigkeit mit unverhältnismässig viel Trocknungsenergie quasi entrissen.

Eine schonendere Holzbehandlung ist die allmähliche Lufttrocknung im Lager. Innerhalb von zwei bis vier Jahren sinkt die Feuchte im geschnittenen Holz auf 12 bis 16 Prozent. Danach muss es nur noch kurz in die Kammer für eine schonende Trocknung auf 10 bis 11 Prozent. Für Massivholztische ist solch reifes, gut abgelagertes Holz mit einer Feuchte von 11 Prozent besser geeignet als frisches Holz, das in kurzer Zeit in Trockenkammern intensiv getrocknet wurde. Es ist entspannt und arbeitet kaum nach, vorausgesetzt das Umgebungsklima fordert diese 11 Prozent. Wurde das Holz zu stark getrocknet, ist es "durstig". Der Durst entspricht dem Verlangen trockenen Holzes, sich auf die Ausgleichsfeuchte (Holzfeuchte im Gleichgewicht mit der Umgebung) zu erholen, sprich Feuchtigkeit aufzunehmen.

Die grössten Schäden entstehen nicht etwa durch zu schwach, sondern durch zu stark getrocknetes Holz. Massgeblich ist letztlich immer der Verwendungsort beziehungsweise das dortige Raumklima: Harmoniert die Holzfeuchte mit dem Umgebungsklima, nimmt es kein Wasser auf und gibt keines ab; das Holz arbeitet nicht, es gibt keine Risse und Verwerfungen.

Beim Messen der Holzfeuchte von Schnittholz gilt es zu berücksichtigen, dass ein Feuchtegefälle sowohl auf der ganzen Brettbreite als auch vom Stock bis zum Zopf gegeben ist. Das heisst, abhängig von der gemessenen Stelle auf einem Brett respektive an einem Stamm variiert die Holzfeuchte. Es geht deshalb darum, aus dem höchsten und dem tiefsten Wert einen Mittelwert zu berechnen. Dieser stellt keine unveränderliche Grösse dar, sondern passt sich eben relativ dem Klima am Verwendungsort an. Darum gilt es, Holz mit einer dem Verwendungszweck möglichst genau entsprechenden Feuchte zu verarbeiten, statt es pauschal mit 8 Prozent Feuchte einzukaufen.

21.08.2015

Farbenspiel im Wald. Ausgerechnet die verminderte Sonnenkraft lässt im Herbst die Früchte reifen. 

15.11.2014

Farbenspiel im Wald. Ausgerechnet die verminderte Sonnenkraft lässt im Herbst die Früchte reifen. 

 

Ursprünglich bedeutete das Wort Herbst "Erntezeit". Es hat sprachgeschichtlich denselben Ursprung wie das englische "harvest" (Ernte) und das lateinische "carpere" (pflücken). In Amerika wird die Jahreszeit heute "fall" genannt, was sich auf das Fallen der Blätter bezieht. Mit landwirtschaftlichem Bezug hingegen heisst der Herbst schlicht "harvest".

Die verminderte Sonnenkraft lässt im Herbst die Pflanzensäfte der Laubbäume in den Stamm und die Wurzel zurückfliessen. Hauptsächlich das Chlorophyll, das für das Grün der Blätter verantwortlich ist, wird auf diese Weise abgebaut. Stattdessen machen sich nun Carotinoide oder Anthocyane, die bereits vorher vorhanden waren, bemerkbar: Die Natur beginnt mit ihrem fröhlichen Farbenspiel.

Die jetzt aktiven Farbstoffe beeinflussen, transportiert durch die Restsäfte, die Ausbildung des "Spätjahres" im Stamm, das sich an der Farbe und der Substanz ablesen lässt. Durch die neue Zusammensetzung der Pflanzensäfte verändern sich auch die Ausdünstungen im Blätterdach. Farbe und Geruch warnen die Herbstinsekten und halten sie von den Bäumen fern.

Durch den zunehmenden Feuchtigkeitsverlust rollen sich die Blätter allmählich ein und verformen sich. Die Sonnenstrahlen treffen dadurch nach und nach direkt auf die Samen und Früchte und lassen sie ausreifen - womit wir endlich beim Wort carpere angelangt sind.

15.11.2014

Die Traubeneiche. Der Baum des Jahres 2014 und fragwürdige Ratschläge.

10.07.2014

Die Traubeneiche. Der Baum des Jahres 2014 und fragwürdige Ratschläge.

 

Die Traubeneiche (Quercus petraea), auch Wintereiche genannt, ist der Baum des Jahres 2014. Sie wächst als sommergrüner Baum und erreicht eine Höhe von 25 bis 30, manchmal sogar bis 40 Meter, mit einem Stamm von bis zu 2 Meter Durchmesser. Durch ihre kräftige Pfahlwurzel ist sie äusserst sturmfest. Sie kann 800 bis 1000 Jahre alt werden.

In den heimischen Wuchsgebieten finden wir die Traubeneiche neben der Stieleiche, die ihr sehr ähnlich ist. Der Unterschied besteht in den Früchten, die bei der Traubeneiche gehäuft an sehr kurzen Stielen sitzen - daher ihr Name.

Eichen werden besonders häufig von Blitzen getroffen. Das liegt daran, dass sie mit ihrer Pfahlwurzel Kontakt zum Grundwasser haben und oft einzeln auf Wiesen oder an Plätzen stehen. Wem jetzt das Sprichwort "Vor den Eichen sollst du weichen, die Buchen sollst du suchen" einfällt, der sei gewarnt: Es ist keineswegs ratsam, sich bei einem Gewitter unter eine Buche zu stellen. Blitze laufen an Buchen meist aussen an der nassen Rinde herab - also möglicherweise genau dort, wo Sie sich schutzsuchend hingestellt haben. So hinterlässt ein Gewitter zwar selten sichtbare Schäden an den Buchen, aber von Blitzen bleiben sie durchaus nicht verschont.

10.07.2014

Geschätzte Eiche. Als Früchte und Rinde der Eiche wichtiger waren als ihr Holz. 

28.04.2014

Geschätzte Eiche. Als Früchte und Rinde der Eiche wichtiger waren als ihr Holz. 

 

Die Eiche spielt in der Mythologie eine wichtige Rolle. Kelten, Germanen, Römer und Griechen brachten sie gleichermassen mit Göttern in Verbindung. Sie ist der Inbegriff von Standfestigkeit, Kraft und Stärke, und das Eichenblatt als Symbol für Beständigkeit ist bis heute auf vielen Münzen, Wappen und Urkunden zu finden.

Aber nicht nur symbolisch war die Eiche in früheren Jahrhunderten tief im Alltag der Menschen verankert. Eichen waren damals zahlreicher vorhanden und spielten eine grosse Rolle bei der Ernährung von Menschen und Tieren. Über Jahrhunderte hinweg waren die Eichenwälder in erster Linie Lieferant von Früchten und Rinde, die Holznutzung spielte noch eine untergeordnete Rolle.

Aus der Rinde, die im 20-Jahre-Rhythmus abgeschält und getrocknet wurde, gewann man Gerbstoffe zum Gerben und Färben von Tierfellen. Eicheln waren als wichtigstes Schweinefutter sehr geschätzt, denn sie erzeugten kerniges Fleisch und Speck mit gutem Geschmack. Orte, an denen Schweine auf Weiden und Wäldern gemästet wurden, unterlagen strengen Gesetzen, und der Wert eines Eichenwaldes berechnete sich nach der Anzahl der dort zu weidenden Schweine.

Während der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert erhielt die Eichel in Form von Kaffeeersatz auch ihre Bedeutung als Nahrung für die Menschen zurück.

28.04.2014

Warmer Januar. Warum es in der Schweiz kaum brauchbare alte Nussbäume gibt.

25.01.2014

Warmer Januar. Warum es in der Schweiz kaum brauchbare alte Nussbäume gibt.

 

Wir starten dieses Kalenderjahr im Holzhandel in einem aussergewöhnlich warmen Winter. Auch wenn wir den Januar noch immer mit Frost, Eis und Schnee verbinden, beginnen sich die Bäume offenbar an die sich verändernden Bedingungen zu gewöhnen: Sie haben in unseren Gebieten eine starke Rinde entwickelt, um nicht vollständig auszufrieren.

Ein alter Bauer in unserem Dorf berichtete mir kürzlich, dass die Situation im Winter 1956 ganz ähnlich gewesen sein soll: "Da der Jänner auch sehr warm gewesen war, bis über 15 Grad, hatten die Nussbäume zu treiben begonnen. Im Februar kam dann der heftige Frost, über vier Wochen mit extrem tiefen Temperaturen. Praktisch alle Nussbäume waren abgestorben. Was überlebte, trug fortan immer den bekannten Frostschaden der Ringschäle und war daher unbrauchbares Holz!"

Die Folgen dieser aussergewöhnlichen Temperaturen sind mir heute bestens bekannt. In der Schweiz gibt es praktisch keine brauchbaren alten Nussbäume. Aber nicht nur die Schweiz war von diesem Ereignis betroffen.

Früher säumten Nussbäume die Zufahrten zu vielen herrschaftlichen Bauernhäusern. Heute ist er zwar vielerorts verschwunden, doch der Baum wird von der Allgemeinheit nach wie vor besonders geschätzt. 

25.01.2014