Inhalt - Holztagebuch

Holztagebuch. Wenn wir aufmerksam durch die Wälder Europas streifen und mit einheimischen Fachleuten oder Bauern sprechen, machen wir oft bemerkenswerte Beobachtungen. Manche davon zeichnen wir in unserem Holztagebuch auf, um das Wissen festzuhalten und Zusammenhänge erkennen zu können. Einzelne Einträge möchten wir an dieser Stelle mit Ihnen teilen. 

Tanninflecken. Wie uneinheitliche Verfärbungen bei Eichenholz entstehen und verschwinden.

30.11.2015

Tanninflecken. Wie uneinheitliche Verfärbungen bei Eichenholz entstehen und verschwinden.

 

Eine der heute europaweit meist genutzten Holzarten ist die Eiche. Sie wächst zwar vielerorts und ist in der Regel gut verfügbar. Und trotzdem gelangt die Produktion von Eichenholz derzeit an Grenzen. In den grossen Sägewerken sind einige Sortimente bereits vergriffen, und der Preis für Eichenschnittholz steigt.

Diese grosse Nachfrage hat nun zur Folge, dass die ausgedehnte Lagerung der gestapelten Bretter an der freien Luft drastisch verkürzt wird, damit das Holz möglichst rasch weiterverarbeitet werden kann. War es früher zudem noch üblich, die im Winter frisch geschlagenen Eichen über den nächsten Sommer lichtgeschützt und möglichst feucht liegen zu lassen, wird heutzutage darauf verzichtet. Dabei würden diese Liegezeiten dazu dienen, die in der Holzfeuchtigkeit gelöste Gerbsäure - das sogenannte Tannin - gleichmässig im ganzen Kernholz zu verteilen. Denn ungleich verteiltes Tannin führt zu unregelmässigen Verfärbungen. Der Sommerregen würde ausserdem überschüssiges Tannin ausschwenken, was die natürlich goldbraune Färbung der Eiche besonders schön zur Geltung bringt.

Auch heftige Wetterwechsel beeinflussen die Säureverteilung. Während wir Menschen uns an die inzwischen gehäuft auftretenden schnellen Wechsel von feucht-nassem zu trockenem und teils auch heissem Wetter gewöhnt haben, leidet das Eichenholz unter den Klimakapriolen. Immer öfter beobachten wir, dass sich auf der Oberfläche von Aussenbrettern verteilt kleine Risse bilden, wenn schon im Februar heftige trockene Winde einsetzen. Entzieht die trockene Luft dem Holz nun rasch Feuchtigkeit, gelangt auch das im Wasser enthaltene Tannin an die Brettoberfläche. Hier bleibt es haften, während das Wasser verdunstet. Die so entstandene Verfärbung der Sichtfläche weist oft eine uneinheitliche Tiefe zwischen 2 und 15 Millimetern auf.

Auf dem frisch gesägten Brett ist die wolkige Verfärbung kaum zu erkennen. Die negativen Folgen werden erst sichtbar, wenn die Bretter gehobelt werden: Die neuen Sichtflächen erscheinen nun gestreift oder gescheckt. Grosse und kleine Farbflecken aus hellen und dunklen Stellen wechseln sich ab. So wirkt das Holz eher unansehnlich. Zum Glück ist diese Färbung nicht beständig: Die Einwirkung der natürlichen UV-Strahlung des Tageslichts lässt die Unterschiede nach ein paar Wochen langsam verblassen.

30.11.2015

Holztrocknung. Risse und Verformungen an Möbeln als Folge unangemessener Trocknung. 

21.08.2015

Holztrocknung. Risse und Verformungen an Möbeln als Folge unangemessener Trocknung. 

 

Wer mit Massivholz arbeitet, beschäftigt sich unweigerlich auch mit dem Thema Holztrocknung. Zwischen dem Werkstoff Holz und dem Raumklima herrscht nämlich eine Wechselbeziehung - das Holz passt seinen Feuchtegehalt der jeweiligen Umgebungstemperatur und -luftfeuchtigkeit an, was Veränderungen in seiner Form zur Folge hat. Kaltes und trockenes Winterklima lässt Holz schwinden, feuchtwarme Sommerhitze hingegen lässt es quellen. So hat auch das Heizen und Lüften einen Einfluss auf das Volumen des Holzes.

Eine Eiche kann in ihren Zellwänden ungefähr 30 Prozent Feuchte speichern. Wird ihr Holz im Innenausbau verwendet, an einem Ort, der vor Witterung geschützt, gut belüftet und im Winter gut beheizt ist, sollte der Feuchtemittelwert allerdings nur 9 Prozent betragen - mit einem Schwankungsbereich von ±3 Prozent. Bei der Trocknung von 30 auf 9 Prozent Feuchte verliert das Eichenholz etwa ein Zehntel seines Volumens. Falls diese Trocknung zu schnell erfolgt, weist das Holz bald Schäden auf: Es kommt zu Verwerfungen, zu Innen- und Flächenrissen.

Zwei Aspekte sind entscheidend, damit Holz langfristig unbeschadet bleibt. Zum einen die für den jeweiligen Verwendungszweck erforderliche Holzfeuchte und zum anderen die Art und Dauer der Trocknung. In unbeheizten Räumen sollte der Feuchtegehalt des Holzes bei einem Mittelwert von 15 Prozent liegen. Bei schwach beheizten Räumen geht man von einem Mittelwert von 12 Prozent aus, gut geheizte Räume erfordern 9 Prozent. In den Alpenländern, besonders über einer Höhe von 700 Meter, gelten allerdings noch tiefere Werte. Denn im Februar bläst ein trockener Wind die Alpen entlang; gleichzeitig ist die Luft in den Wohnungen dort oft zu warm und zu trocken. Diese Umstände haben zu der in der Schweiz weit verbreiteten Ansicht geführt, man müsse Holz immer auf 8 Prozent trocknen.

Damit frisches Holz überhaupt verwendet werden kann, muss ihm Feuchte entzogen werden. Begrenzter Lagerplatz und ein aus Umsatzgründen angestrebter schneller Lagerumschlag sind Gründe, warum Holz oft in Vakuum- oder mit Frischluft-Abluft-Systemen forciert getrocknet wird. Dieser sehr rasche Prozess in extrem trockenem und damit völlig ungewohntem Klima "stresst" das Holz. Hinzu kommt, dass bei einer Trocknung auf eine Holzfeuchte von weniger als 11 Prozent der Diffusionswiderstand exponentiell steigt: Dem Holz wird die Feuchtigkeit mit unverhältnismässig viel Trocknungsenergie quasi entrissen.

Eine schonendere Holzbehandlung ist die allmähliche Lufttrocknung im Lager. Innerhalb von zwei bis vier Jahren sinkt die Feuchte im geschnittenen Holz auf 12 bis 16 Prozent. Danach muss es nur noch kurz in die Kammer für eine schonende Trocknung auf 10 bis 11 Prozent. Für Massivholztische ist solch reifes, gut abgelagertes Holz mit einer Feuchte von 11 Prozent besser geeignet als frisches Holz, das in kurzer Zeit in Trockenkammern intensiv getrocknet wurde. Es ist entspannt und arbeitet kaum nach, vorausgesetzt das Umgebungsklima fordert diese 11 Prozent. Wurde das Holz zu stark getrocknet, ist es "durstig". Der Durst entspricht dem Verlangen trockenen Holzes, sich auf die Ausgleichsfeuchte (Holzfeuchte im Gleichgewicht mit der Umgebung) zu erholen, sprich Feuchtigkeit aufzunehmen.

Die grössten Schäden entstehen nicht etwa durch zu schwach, sondern durch zu stark getrocknetes Holz. Massgeblich ist letztlich immer der Verwendungsort beziehungsweise das dortige Raumklima: Harmoniert die Holzfeuchte mit dem Umgebungsklima, nimmt es kein Wasser auf und gibt keines ab; das Holz arbeitet nicht, es gibt keine Risse und Verwerfungen.

Beim Messen der Holzfeuchte von Schnittholz gilt es zu berücksichtigen, dass ein Feuchtegefälle sowohl auf der ganzen Brettbreite als auch vom Stock bis zum Zopf gegeben ist. Das heisst, abhängig von der gemessenen Stelle auf einem Brett respektive an einem Stamm variiert die Holzfeuchte. Es geht deshalb darum, aus dem höchsten und dem tiefsten Wert einen Mittelwert zu berechnen. Dieser stellt keine unveränderliche Grösse dar, sondern passt sich eben relativ dem Klima am Verwendungsort an. Darum gilt es, Holz mit einer dem Verwendungszweck möglichst genau entsprechenden Feuchte zu verarbeiten, statt es pauschal mit 8 Prozent Feuchte einzukaufen.

21.08.2015

Farbenspiel im Wald. Ausgerechnet die verminderte Sonnenkraft lässt im Herbst die Früchte reifen. 

15.11.2014

Farbenspiel im Wald. Ausgerechnet die verminderte Sonnenkraft lässt im Herbst die Früchte reifen. 

 

Ursprünglich bedeutete das Wort Herbst "Erntezeit". Es hat sprachgeschichtlich denselben Ursprung wie das englische "harvest" (Ernte) und das lateinische "carpere" (pflücken). In Amerika wird die Jahreszeit heute "fall" genannt, was sich auf das Fallen der Blätter bezieht. Mit landwirtschaftlichem Bezug hingegen heisst der Herbst schlicht "harvest".

Die verminderte Sonnenkraft lässt im Herbst die Pflanzensäfte der Laubbäume in den Stamm und die Wurzel zurückfliessen. Hauptsächlich das Chlorophyll, das für das Grün der Blätter verantwortlich ist, wird auf diese Weise abgebaut. Stattdessen machen sich nun Carotinoide oder Anthocyane, die bereits vorher vorhanden waren, bemerkbar: Die Natur beginnt mit ihrem fröhlichen Farbenspiel.

Die jetzt aktiven Farbstoffe beeinflussen, transportiert durch die Restsäfte, die Ausbildung des "Spätjahres" im Stamm, das sich an der Farbe und der Substanz ablesen lässt. Durch die neue Zusammensetzung der Pflanzensäfte verändern sich auch die Ausdünstungen im Blätterdach. Farbe und Geruch warnen die Herbstinsekten und halten sie von den Bäumen fern.

Durch den zunehmenden Feuchtigkeitsverlust rollen sich die Blätter allmählich ein und verformen sich. Die Sonnenstrahlen treffen dadurch nach und nach direkt auf die Samen und Früchte und lassen sie ausreifen - womit wir endlich beim Wort carpere angelangt sind.

15.11.2014

Die Traubeneiche. Der Baum des Jahres 2014 und fragwürdige Ratschläge.

10.07.2014

Die Traubeneiche. Der Baum des Jahres 2014 und fragwürdige Ratschläge.

 

Die Traubeneiche (Quercus petraea), auch Wintereiche genannt, ist der Baum des Jahres 2014. Sie wächst als sommergrüner Baum und erreicht eine Höhe von 25 bis 30, manchmal sogar bis 40 Meter, mit einem Stamm von bis zu 2 Meter Durchmesser. Durch ihre kräftige Pfahlwurzel ist sie äusserst sturmfest. Sie kann 800 bis 1000 Jahre alt werden.

In den heimischen Wuchsgebieten finden wir die Traubeneiche neben der Stieleiche, die ihr sehr ähnlich ist. Der Unterschied besteht in den Früchten, die bei der Traubeneiche gehäuft an sehr kurzen Stielen sitzen - daher ihr Name.

Eichen werden besonders häufig von Blitzen getroffen. Das liegt daran, dass sie mit ihrer Pfahlwurzel Kontakt zum Grundwasser haben und oft einzeln auf Wiesen oder an Plätzen stehen. Wem jetzt das Sprichwort "Vor den Eichen sollst du weichen, die Buchen sollst du suchen" einfällt, der sei gewarnt: Es ist keineswegs ratsam, sich bei einem Gewitter unter eine Buche zu stellen. Blitze laufen an Buchen meist aussen an der nassen Rinde herab - also möglicherweise genau dort, wo Sie sich schutzsuchend hingestellt haben. So hinterlässt ein Gewitter zwar selten sichtbare Schäden an den Buchen, aber von Blitzen bleiben sie durchaus nicht verschont.

10.07.2014

Geschätzte Eiche. Als Früchte und Rinde der Eiche wichtiger waren als ihr Holz. 

28.04.2014

Geschätzte Eiche. Als Früchte und Rinde der Eiche wichtiger waren als ihr Holz. 

 

Die Eiche spielt in der Mythologie eine wichtige Rolle. Kelten, Germanen, Römer und Griechen brachten sie gleichermassen mit Göttern in Verbindung. Sie ist der Inbegriff von Standfestigkeit, Kraft und Stärke, und das Eichenblatt als Symbol für Beständigkeit ist bis heute auf vielen Münzen, Wappen und Urkunden zu finden.

Aber nicht nur symbolisch war die Eiche in früheren Jahrhunderten tief im Alltag der Menschen verankert. Eichen waren damals zahlreicher vorhanden und spielten eine grosse Rolle bei der Ernährung von Menschen und Tieren. Über Jahrhunderte hinweg waren die Eichenwälder in erster Linie Lieferant von Früchten und Rinde, die Holznutzung spielte noch eine untergeordnete Rolle.

Aus der Rinde, die im 20-Jahre-Rhythmus abgeschält und getrocknet wurde, gewann man Gerbstoffe zum Gerben und Färben von Tierfellen. Eicheln waren als wichtigstes Schweinefutter sehr geschätzt, denn sie erzeugten kerniges Fleisch und Speck mit gutem Geschmack. Orte, an denen Schweine auf Weiden und Wäldern gemästet wurden, unterlagen strengen Gesetzen, und der Wert eines Eichenwaldes berechnete sich nach der Anzahl der dort zu weidenden Schweine.

Während der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert erhielt die Eichel in Form von Kaffeeersatz auch ihre Bedeutung als Nahrung für die Menschen zurück.

28.04.2014

Warmer Januar. Warum es in der Schweiz kaum brauchbare alte Nussbäume gibt.

25.01.2014

Warmer Januar. Warum es in der Schweiz kaum brauchbare alte Nussbäume gibt.

 

Wir starten dieses Kalenderjahr im Holzhandel in einem aussergewöhnlich warmen Winter. Auch wenn wir den Januar noch immer mit Frost, Eis und Schnee verbinden, beginnen sich die Bäume offenbar an die sich verändernden Bedingungen zu gewöhnen: Sie haben in unseren Gebieten eine starke Rinde entwickelt, um nicht vollständig auszufrieren.

Ein alter Bauer in unserem Dorf berichtete mir kürzlich, dass die Situation im Winter 1956 ganz ähnlich gewesen sein soll: "Da der Jänner auch sehr warm gewesen war, bis über 15 Grad, hatten die Nussbäume zu treiben begonnen. Im Februar kam dann der heftige Frost, über vier Wochen mit extrem tiefen Temperaturen. Praktisch alle Nussbäume waren abgestorben. Was überlebte, trug fortan immer den bekannten Frostschaden der Ringschäle und war daher unbrauchbares Holz!"

Die Folgen dieser aussergewöhnlichen Temperaturen sind mir heute bestens bekannt. In der Schweiz gibt es praktisch keine brauchbaren alten Nussbäume. Aber nicht nur die Schweiz war von diesem Ereignis betroffen.

Früher säumten Nussbäume die Zufahrten zu vielen herrschaftlichen Bauernhäusern. Heute ist er zwar vielerorts verschwunden, doch der Baum wird von der Allgemeinheit nach wie vor besonders geschätzt. 

25.01.2014