Inhalt - History: Tradition, Fortschritt, Girsberger

Ohne Tradition kein Fortschritt. Seit 1889, seit der Gründung der Drechslerei Heinrich Girsberger in Zürich, ist unser Name eng mit der Entwicklungsgeschichte des Sitzens verknüpft. Mit Stolz blicken wir auf eine lange Tradition zurück. Und was mit dem ersten Patent, dem Drehstuhl Typ 111, begann, war die Basis für viele nachfolgende Entwicklungen. Der Leitgedanke: Funktionalität mit hohem praktischem Nutzen, präzise Fertigung in handwerklicher Tradition sowie Materialehrlichkeit und Beständigkeit. Diese Eckpunkte bestehen bis heute und prägen jedes unserer Produkte, auch wenn sich vieles in den vergangenen 125 Jahren verändert hat. Unsere Herkunft ist eine gute Basis für die Zukunft. Unser Anspruch, immer wieder neue Wege zu suchen, Bestehendes zu hinterfragen und nichts unbeachtet zu lassen, um das Bessere zu finden, hat Girsberger zu einem geachteten Unternehmen der Branche gemacht.

 

Noch keine 23 Jahre alt, investiert Johann Heinrich Girsberger seine gesamten Ersparnisse in die Gründung der «Drechslerei Heinrich Girsberger» am Weinberg in Zürich. Der damalige «Weinberg» befand sich am heutigen Standort des Kinderspitals der Stadt Zürich. Gefertigt wurden Drechslerwaren wie beispielsweise Stickrahmen, Holzschalen, Ständer für Tischleuchten.

Heinrich Girsberger mietet eine grössere Werkstatt und installiert seine erste Drehbank mit Dampfantrieb.

Zweite Werkstattvergrösserung: Erwerb einer Immobilie an der Neptunstrasse in Zürich-Hottingen.

Mit höhenverstellbaren Pianostühlen beginnt die Fertigung der ersten Sitzmöbel.

Erstes Patent: Eine selbständig entwickelte Mechanik ermöglicht die schnelle und stufenlose Höhenverstellung mit einfachster Bedienung. Die erste mit dieser Mechanik versehene Modellreihe (Drehstuhl Typ 111) wird während 60 Jahren bzw. bis 1970 produziert.

Verkauf der Immobilie an der Neptunstrasse zum Erwerb von grösseren Gebäuden an der Hottingerstrasse in Zürich, bestehend aus Werkstätten und einem Wohnhaus.

Nach dem frühen Tod des Gründers, Heinrich Girsberger, übernimmt sein Sohn Wilhelm die Geschäftsführung. Es entsteht die neue Firmenbezeichnung «Wilhelm Girsberger, Mechanische Drechslerei und Stuhlfabrik».

Weltwirtschaftskrise und die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges sind auch in der Schweiz vor allem wirtschaftlich spürbar: Anstrengungen, um Aufträge zu sichern, und Sparsamkeit prägen den Alltag. Das ersparte Geld wird in die Entwicklung neuer Produkte investiert: Inspiriert von «Bauhaus» gewinnen einfache, klare Formen sowie Ergonomie-orientierte Funktionen an Bedeutung.

Modell 486

Bürodrehstuhl in massivem Buchenholz. Stufenlose, abgefederte Höhenverstellung.

Fabrikneubau an der Tramstrasse in Zürich-Schwamendingen: Mit modernem Maschinenpark in hellen Produktionsräumen werden fortschrittliche Bedingungen für die Serienproduktion geschaffen.

Modell 3001

Dampfgebogene Konstruktion und hoch belastbar. Dieser äusserst robuste und vielseitig einsetzbare Stuhl ist mit zweifarbigen Oberflächen lieferbar: hell natur/schwarz oder hell natur/rot.

Tod von Wilhelm Girsberger.
Ein Rückblick auf sein Berufsleben in nicht einfacher Zeit: Als junger Mann hatte Wilhelm Girsberger während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) und später während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) bzw. über die Gesamtdauer beider Weltkriege Militärdienst geleistet. Trotz diesen Erschwernissen und der Weltwirtschaftskrise gelang Wilhelm Girsberger die kontinuierliche Weiterentwicklung des Unternehmens. Während seiner langen Militärdienstzeit konnte er sich auf die engagierte Unterstützung seiner Ehefrau, Rosa Girsberger-Pfister, und das Pflichtbewusstsein treuer Mitarbeiter verlassen. Über mehrere Jahre hinweg war Wilhelm Girsberger zudem Zentralpräsident des Schweizerischen Drechslermeisterverbandes.

Nach dem Ableben von Wilhelm Girsberger wird die Firma durch seine Erben übernommen und in die Kommanditgesellschaft «Girsberger Co. Stuhl und Tischfabrik» umgewandelt. Komplementäre sind Wilhelm Girsberger (geb. 1927), Heinrich Girsberger (geb. 1929) und Magdalena Girsberger (geb. 1931), Kommanditärin ist Frau Rosa Girsberger-Pfister, Witwe des Verstorbenen.

Modell 71

Design: Ero Saarinen

Das konstruktive Hauptmerkmal des Stuhls ist die aus gepresstem Holzfaser-Material bestehende, nicht flexible Rückenlehne. Herstellung und Vertrieb unter Lizenz von Knoll, USA.

Die Stadt Zürich dehnt sich aus. Der Betrieb in Zürich-Schwamendingen kann auf Grund von Platzmangel und teuren Landpreisen nicht erweitert werden. Die unkonventionelle Suche nach verkehrstechnisch gutem und preisgünstigem Industrieland findet ihren Abschluss in der Gemeinde Thunstetten-Bützberg, Kanton Bern. Nach nur fünf Monaten Bau- und Einrichtungszeit wird der gesamte Betrieb von Zürich nach Bützberg verlagert. Fast alle Mitarbeitenden folgen dem Unternehmen in den Kanton Bern.

Mit der ersten baulichen Erweiterung beginnt der kontinuierliche Ausbau des Fertigungsstandortes Bützberg.

Girsberger, Bützberg (Aufnahme aus dem Jahr 2000)

Modell 4050

Design: Benedikt Rohner

Hauptmerkmale dieses dreibeinigen Fauteuils bilden die furnierte Holzschale und das gebogene Gestell in Flacheisen, schwarz thermolackiert oder verchromt.

Doppelschalenstuhl

Design: Jürg Bally

Unter hohem Druck gepresste, schichtverleimte Sperrholzschale mit exklusiven Deckfurnieren.

Modell 9052

4-Kant-Stahlrohr verchromt. Zargen und Rückenteile aus Holz, gepolstert.

Erster Betrieb im Ausland: Gründung der Girsberger GmbH in Endingen am Kaiserstuhl, Baden-Württemberg, Deutschland. Die Anfänge sind bescheiden: In einer älteren Immobilie fertigen vier Mitarbeitende Büro- und Konferenzstühle sowie Sitzgruppen für den Empfangsbereich.

Das Produktsortiment wird massgeblich erweitert, das Erscheinungsbild mit einheitlich gestalteten Drucksachen erneuert.

In Deutschland wird von der Stadt Endingen Industrieland erworben und ein moderner Fabrikbau mit anfänglich 1300 m2 Produktions- und Lagerfläche erstellt. In den nachfolgenden Jahren wird dieses Produktionsgelände kontinuierlich ausgebaut.

Modell 5600

Design: Fritz Makiol

Revolutionär in Design, Konstruktion und im Materialkonzept: Der erste Bürodrehstuhl auf dem Markt mit tragenden Bauteilen ausschliesslich aus Stahl, Aluminiumdruckguss- und Kunststoffspritzgusskomponenten. Verstellung der Sitzhöhe und Neigung der Rückenlehne erfolgen beide stufenlos, mit nur einem Bedienungshebel.

Modell 3700

Design: Fritz Makiol

Seitenzargen aus Kunststoff. Stuhlbeine und Traversen aus Stahlrohr. Sitz und Rücken aus Formsperrholz. Die Stahlrohre werden durch einen Pressvorgang mit den Kunststoffelementen verbunden. Dadurch entfallen Schrauben und Klebstoffe bei kürzester Montagezeit. Dank ihrer Robustheit und einem späteren, zeitlosen Re-Design wird die Modellreihe 3700 noch heute verkauft.

Schritt über den Atlantik: Gründung der Girsberger Industries Inc. in Smithfield, North Carolina, USA. Bei Produktionsbeginn arbeiten nur 8 Mitarbeitende in einem vorerst angemieteten Fabrikgebäude (siehe Bild). 1981 erwirbt die noch junge Tochtergesellschaft Land und Gebäude. In den darauf folgenden Jahren wird der amerikanische Produktionsstandort laufend erweitert.

Trilax

Design: Fritz Makiol

Neuartige, international patentierte 3-Punkt-Bewegungstechnologie. Der weltweit einzige Bürodrehstuhl mit tragenden und miteinander verbundenen Sitz-, Lumbal- und Rückenteilen aus GMT (glasfaserverstärkter Thermoplast). Trilax war 29 Jahre lang ein wichtiger Bestandteil des Girsberger Produktsortiments.

Modell 9500

Design: Dieter Stierli

Erster Stahlrohrfreischwinger für den Wohnbereich mit Gurtenpolsterung. Die Modellreihe 9500 bewährt sich bis heute auch als Besucher- und Konferenzstuhl im Bürobereich.

100 Jahre Girsberger
Wilhelm Girsberger und Heinrich Girsberger

Dritter Produktionsstandort durch die Gründung der Tuna Girsberger Tic. AS in Istanbul, Türkei. Die Girsberger Holding AG hält 50% der Aktien, die anderen 50% befinden sich im Besitz der Familien Tuna. Das Unternehmen produziert fast alle Bürositzmöbel aus dem Girsberger Produktprogramm. Ergänzend werden speziell für die Türkei und die Golfregion entwickelte Modellreihen hergestellt und durch TunaOfis vertrieben. Der Produktionsstandort befindet sich in Silivri, die Verkaufs- und Ausstellungszentren in Istanbul und Ankara.

Neubau der Girsberger GmbH in Endingen, Deutschland. 500 Meter nördlich vom bisherigen Standort wird ein Neubau für Produktion, Lager, Ausstellung und Verwaltung erstellt. Das erforderliche Industrieland wird von der Stadt Endingen erworben.

Generationenwechsel: Gemeinsam haben Heinrich und Wilhelm Girsberger die Familienunternehmen während mehr als 40 Jahren mit hohem Einsatz und Verantwortungsbewusstsein zu bedeutendem Erfolg geführt. Nach 16 Jahren Berufstätigkeit im Ausland, davon 14 Jahre für einen weltweit tätigen Industrie-Grosskonzern, übernimmt Michael Girsberger als CEO der Girsberger Holding AG die Leitung der Firmengruppe. Wilhelm und Heinrich Girsberger bleiben noch einige Jahre im Verwaltungsrat der Girsberger Holding AG.

Balzaro

Design: Kurt Müller

Erster Stuhl für Girsberger mit einem Gestell aus Edelstahl, Schale in Kernleder.

Die Produktsortimente Wohnen und Büro werden gestrafft. Mit neuer Zielsetzung entstehen die Geschäftsbereiche Home und Office. Zur profilierten Weiterentwicklung des Bereichs Home wird die Fertigung in der Schweiz vor allem in der Massivholzbearbeitung, im Metallbau und in der Oberflächenbearbeitung stark ausgebaut. Die auftragsbezogene Fertigung des Bereichs Office wird auf die Produktionsstandorte in Deutschland, in den USA und in der Türkei konzentriert. Trotz dieser organisatorischen Veränderungen, einschliesslich der grenzüberschreitenden Verlagerungen in Produktion und Logistik, gehen keine Arbeitsstellen verloren.

Neubau für Empfang, Ausstellung, Produktentwicklung und Verwaltung. Seither prägt dieses Gebäude den Firmenstandort in Bützberg. Im gleichen Jahr wird der Firmenauftritt unter der Marke «Girsberger seating» neu konzipiert.

Permesso

Design: Kurt Müller

Neuinterpretation der traditionellen Sitzbank zum Esstisch. Bemerkenswerte Reduktion und formale Schlichtheit.

Franz

Design: Kurt Müller

Neuartige Auszugstechnik, bei welcher erstmalig an einem Massivholztisch die Aussenfüsse vom Tischblatt weggezogen werden. Der Tisch lässt sich so bis zu einem Meter verlängern, dabei liegen die Verlängerungsplatten zur praktischen Bedienung direkt unter der Tischoberfläche.

Mit Girsberger Customized Solutions (heute Customized Furniture) entsteht der dritte Geschäftsbereich. Die hohe Fertigungstiefe im Unternehmen und die daraus resultierende Flexibilität erlauben es Girsberger, Sonderanfertigungen nach objektspezifischen Vorgaben von Architekten für Konferenz- und Schulungsräume sowie für Verpflegungs- und Aufenthaltsbereiche zu produzieren.

Aus dem Girsberger Kundendienst wird mit Service & Remanufacturing (heute Remanufacturing) der vierte Geschäftsbereich. Im Zentrum stehen wirtschaftliche und ökologische Aspekte: Bürostühle und Möbel sollen nicht mehr einfach entsorgt und ersetzt werden, sondern durch fachgerechten Service und vollständige Wiederinstandsetzung länger in Gebrauch bleiben.

Reflex

Design: Dieter Stierli

Die innovative international patentierte Lehne nutzt die Eigenschaften des Materials, um den Rücken punktgenau zu stützen und zu entlasten. Reflex und der dazugehörige Besucherstuhl Connexion finden ein grosses Publikum. Reflex erhält den Red Dot Design Award.

Die bestehenden Niederlassungen mit Ausstellungszentren in Wien, Paris, Amsterdam und London werden vom Architekten Dante Bonuccelli komplett neu gestaltet, mit Ausnahme von Paris an neuen Standorten mit grösseren Räumlichkeiten. In Madrid und Hamburg entstehen zusätzliche Girsberger Niederlassungen mit Ausstellungsräumen.

Der Geschäftsbereich Home wird in Girsberger Dining umbenannt. Der Name verdeutlicht die Konzentration des Sortiments auf den Essbereich im Haus. Die Dining Kollektion umfasst Tische, Stühle und Sideboards, die vorwiegend aus Massivholz hergestellt werden.

Modell 1600

Girsberger Werksdesign 1961

Neuauflage des Erfolgsmodells aus dem Jahr 1963.

Das Modell 1600 traf in den 60er Jahren den Zeitgeist und war sehr erfolgreich. Originale Exemplare dieses Sessels stehen beispielsweise noch immer im Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und werden heute als moderne Klassiker gehandelt.

 

Mit Girsberger Massivholz entsteht der fünfte Geschäftsbereich.
In Bützberg und in Koblenz bewirtschaftet Girsberger ein insgesamt
3500 Kubikmeter grosses Lager mit schonend getrocknetem Holz von Lärchen, Eichen, Ulmen, Nuss- und Kirschbäumen. Aus diesem Lager beliefert Girsberger Schreinereibetriebe mit qualitativ hochwertigen Massivhölzern aus ganz Europa.

Camiro

Design: Martin Ballendat

Girsberger lanciert eine neue Drehstuhlfamilie, die neuen Formen der Büroorganisation entgegenkommt. Camiro wurde speziell für flexible Arbeitsplätze entwickelt, wo mehrere Mitarbeiter den gleichen Stuhl benutzen. Deshalb verfügt der Funktionsdrehstuhl über eine automatische Federkrafteinstellung der Rückenlehne.

G 125

Design: Mathias Seiler

Zum 125. Jahrestag der Gründung des Unternehmens präsentiert Girsberger einen neuartigen Holzdrehstuhl. G 125 erinnert an die Firmenanfänge, als sich Girsberger mit höhenverstellbaren Pianohockern einen Ruf als Stuhlspezialist schuf. Beim Red Dot Award 2015 erhält G 125 die Auszeichnung Best of the Best.

Customized Furniture entwickelt sich immer mehr zu einem Geschäftsbereich mit hohem Potential. Dabei setzt Girsberger Entwürfe von Architekten und Planern nach deren individuellen Vorstellungen um. Daraus ergeben sich für Auftraggeber vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich des Corporate Branding und bei der Suche nach ganz speziellen technischen Lösungen oder bei der Realisierung ungewöhnlicher Formate.